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laufendes Jahr

Die Schönsten Schweizer Bücher des Jahres 2002

300 Türen, Portes, Porte, Portas. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Agrovision Burgrain. Konzeption. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Bruce Nauman, Mapping the Studio. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Chinatown. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Comprendre l'Escalade. Essai de géopolitique genevoise. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Décosterd & Rahm. Physiologische Architektur / Architettura fisiologica. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Elvis Road. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Erinnern und Vergessen, Eine Zürcher Familiensaga. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Fümms bö wö tää zää Uu. Stimmen und Klänge der Lautpoesie. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Heilig Kreuz und Eichenlaub. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Heimatfabrik. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Herzog & De Meuron, Naturgeschichte. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Install.exe/Jodi. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Jahresbericht 2001. Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Jost Hochuli: Drucksachen, vor allem Bücher. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Khadi-Textiles of India. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Komplexe Gewöhnlichkeit. Der Upper Lawn Pavillon von Alison und Peter Smithson. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Lohse lesen. Texte von Richard Paul Lohse (Zürich 1902-1988 Zürich). Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Natürlich die Schweizer! Neues von Paul Nizon, Ruth Schweikert, Peter Stamm u.a. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Olafur Eliasson. Movement Meter for Lernacken. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Prospectus. Thirty-one works by Ben Kinmont. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Public Affairs. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Public Plaiv. Art contemporauna illa Plaiv.Gegenwartskunst im Landschafts- und Siedlungsraum La Plaiv, Oberengadin. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Quelli di Bagheria. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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René Burri. Berner Blitz. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Rroms de Roumanie / Rroma in Rumänien. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Saisonvorschau Schauspielhaus Zürich 02/03. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Schweizer Möbel und Interieurs im 20. Jahrhundert. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Sedel 1981-2001. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Wonder Red Now / Swiss Art Awards. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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The Things. Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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typografieren "Atlas" + "Revier". Fotografie: Isabel Truniger, Zürich
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Über den Jahrgang

Zum diesjährigen Wettbewerb "Die schönsten Schweizer Bücher" wurden 275 Publikationen, darunter 10 italienisch- und 48 französischsprachige Titel, eingereicht. Davon zeichnete die siebenköpfige Jury unter dem Präsidium von François Rappo in erster Linie nach gestalterischen Kriterien 33 schönste Schweizer Bücher des Jahrganges 2002 aus. Massgebend für die Beurteilung der Werke waren neben Idee und Konzeption die Typografie, die Qualität des Druckes und des Einbandes, die verwendeten Materialien sowie der Gesamteindruck der Publikation. Neben Kunst- und Bildbänden sowie Sachbüchern - die auch in diesem Jahr den Löwenanteil ausmachen - finden sich auch einige wenige belletristische und experimentelle Publikationen. Die Palette reicht von Programmheften in sehr grossen Auflagen bis hin zu in private-press herausgegebenen Publikationen in Kleinstauflagen.

 

Die Jurymitglieder haben zum dritten Mal ein "Buch der Jury" ausgewählt. Es handelt sich um den gradlinig und sehr subtil gestalteten Ausstellungskatalog "Olafur Eliasson. Movement Meter for Lernacken", der vom Büro groenland.berlin.basel (Michael Heimann und Dorothea Weishaupt) konzipiert und realisiert wurde.

 

Gleichzeitig verlieh die Jury den Jan-Tschichold-Preis, mit dem das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) kreatives und aussergewöhnliches Engagement im Bereich der Buchgestaltung auszeichnet. Der Preis ist mit 15'000 Franken dotiert und ging an das innovative Gestalterteam NORM, Dimitri Bruni und Manuel Krebs, Zürich. Mit diversen hervorragend gelösten Auftragsarbeiten sowie eigenen, sehr engagierten Buchprojekten leisten die jungen Buchdesigner einen beachtenswerten Beitrag zur Schweizer Buchgestaltung.

 

Das Bundesamt für Kultur (BAK) setzt nicht nur mit den Wettbewerbsresultaten alljährlich ein Zeichen für ein qualitativ hochstehendes buchgestalterisches Schaffen in der Schweiz, sondern betreibt mit der Vergabe von Gestaltungsaufträgen an junge Buchdesignerinnen und -designer auch direkte Förderung. Diese steht in engem Zusammenhang mit der allgemeinen Praxis der eidgenössischen Designförderung.

 

Der Wettbewerb "Die schönsten Schweizer Bücher" wird seit 1999 durch die Sektion Kunst und Design des BAK im Auftrag des EDI durchgeführt und steht zusätzlich unter dem Patronat der Schweizerischen Buchverlegerverbände.

 

Die vorliegende Publikation erscheint anlässlich der beiden Ausstellungen im Museum für Gestaltung Zürich und im mu.dac in Lausanne, in welchen alle 33 ausgezeichneten Bücher zu sehen sind.

 

Mirjam Fischer, BAK, Bern

Jan-Tschichold-Preis

NORM, Zürich
Gewinner des Jan-Tschichold-Preises 2003

 

Es gibt eine sehr bekannte Fotografie von Jan Tschichold, die gegenüber der Titelseite von Asymmetric Typography [die englische Version seines Buches Typographische Gestaltung) in Reproduktion abgebildet ist. Das Porträt zeigt ihn im Profil, verzückt-entrückt, offensichtlich die ausgeklügelte Finesse eines beendeten Werks begutachtend. Die Pose ist so fantastisch pompös - weit nach oben gezogene Augenbrauen, geschürzte Lippen, Daumen und Zeigefinger sich gerade eben berührend - dass sie ohne weiteres gestellt sein könnte. Und selbst wenn nicht, kann Tschichold eine solche Arroganz durchaus unterstellt werden, die ihm auf Grund seines Rufes als virtuoser Praktiker, der die Handwerkskunst und die Wissenschaft von Typografie und Schriftdesign miteinander verbunden hat, nachgesagt wurde. Gleich, ob als heroischer Modernist oder wiedergeborener Klassizist - Tschichold ging es in erster Linie darum, Inhalte zum Nutzen der Leser zu artikulieren.

 

Sechzig oder siebzig Jahre später geht es Dimitri Bruni und Manuel Krebs - genannt NORM - primär darum, Inhalte in ihrem ureigenen Interesse zu generieren bzw. zu gestalten. In der selbst erstellten Analyse und dem Manifest "The Things" wird beispielsweise die Erforschung von Raum und Symbolen auf die Spitze getrieben und dabei keineswegs eine wirklich praktische Informationssammlung geschaffen, die erschöpfende Darstellung von Möglichkeiten endet in sich selbst. Dies demonstriert, wie sich das Grafikdesign seit Tschicholds Zeit langsam aber sicher immer mehr um sich selbst dreht. Dass ein Buch ein Buch ist, genügt nicht mehr. Im Auftragswerk, das NORM für die "physiologischen Architekten" Décosterd & Rahm realisiert hat, sind die Texte am Anfang und am Ende in Hochglanzlack auf weissem Hochglanzpapier gedruckt. Einerseits ist dies sinnvoll - man kann dem Gedanken folgen, dass Raum, Licht und sinnliches Erleben thematisiert werden - andererseits jedoch auch blanker Unfug (der Text ist schlicht nicht lesbar).

 

Tschichold war leidenschaftlich, besessen und ein Perfektionist. Obwohl ich meine, dass NORM einer grundlegend anderen Dynamik folgen, stehen sie zu Recht als Erben dieser Qualitäten da: Ihr Werk ist zugleich extrem und zurückhaltend. Es ist nicht allzu schwierig, sie sich in derselben Pose wie Tschichold vorzustellen, wenn sie eine Arbeit vom Drucker zurückbekommen, wenngleich das Foto in ihrem Fall sicherlich gestellt wäre. Denn diese Art von Unschuld existiert nicht mehr: Sie würden sich unter dem Tisch treten, um zu versuchen, sich gegenseitig zum Lachen zu bringen.

 

Stuart Bailey, Grafiker, London (UK) / Amsterdam (NL)