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laufendes Jahr

Die Schönsten Schweizer Bücher des Jahres 2004

Louis Khan Dhaka. Construction / Raymond Meier (2 Bde.). Fotografie: Raphael Hefti
© BAK

365: Aiga Year in Design 24. Fotografie: Raphael Hefti
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Aggressivität, Zärtlichkeit und Sexualität. Fotografie: Raphael Hefti
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Auf der Hochebene und andere Orte (Werkausgabe). Fotografie: Raphael Hefti
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Aura/ Glamour. Fotografie: Raphael Hefti
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Beauty and the Book. Fotografie: Raphael Hefti
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Blendwerk. Fotografie: Raphael Hefti
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Buchstaben, Bilder, Bytes. Das Projekt Wahrnehmung. Fotografie: Raphael Hefti
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Die Chinesische Wespe. Geschichte einer Liebe, die ihren Fortgang nimmt. Fotografie: Raphael Hefti
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Design und Architektur: Studium und Beruf. Fotografie: Raphael Hefti
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Diplom 04. Fotografie: Raphael Hefti
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Drei Umbaustrategien- Die Zürcher Verwaltungsbauten von Gustav Gull. Fotografie: Raphael Hefti
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Ecal Graphic Design. Fotografie: Raphael Hefti
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Felice Varini- Points of View. Fotografie: Raphael Hefti
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Frische Schriften. Fotografie: Raphael Hefti
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Die Geborene. Fotografie: Raphael Hefti
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Globus Cassus. Fotografie: Raphael Hefti
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Im Rausch der Dinge. Fotografie: Raphael Hefti
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Intersection: 4 cities/ 360 people. Fotografie: Raphael Hefti
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Liberté à quatre sous. Fotografie: Raphael Hefti
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Mark Leckey, 7 Windmill Street W1. Fotografie: Raphael Hefti
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Nicht bei Trost- a never ending Haiku. Fotografie: Raphael Hefti
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O.T. Ein Ersatzbuch / Das Schauspielhaus Zürich 2000-2004. Fotografie: Raphael Hefti
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Oh, No, No... – The Crystal Series. Fotografie: Raphael Hefti
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Olafur Eliasson. Minding the world. Fotografie: Raphael Hefti
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Parkett – 20 years of artists' collaborations. Fotografie: Raphael Hefti
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Produktionsweisen. Fotografie: Raphael Hefti
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Schwarz auf Weiss. Zeichnerischer Realismus - zeitgenössische Positionen. Fotografie: Raphael Hefti
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SILEX No. 20 – This is the end. Fotografie: Raphael Hefti
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Starving for embarrassing architecture. Fotografie: Raphael Hefti
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Swiss Design 2004. Fotografie: Raphael Hefti
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Vom Letten bis Rimini. Geschichte und Gegenwart der Zürcher See-und Flussbäder. Fotografie: Raphael Hefti
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Waldi. Fotografie: Raphael Hefti
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Über den Jahrgang

Mirjam Fischer

 

Erfreulich viele Textbücher finden sich bei der diesjährigen Auswahl der 33 ausgezeichneten schönsten Schweizer Bücher des Buchjahrgangs 2004. Dieses Jahr wurden beim Bundesamt für Kultur (BAK) 400 Publikationen eingereicht, mehr als je zuvor. Damit kann der Buchgestaltungswettbewerb, der seit 1999 durch die Sektion Kunst und Design des BAK im Auftrag des Eidgenössischen Departements des Innern (EDI) alljährlich durchgeführt wird, erneut einen Rekord verzeichnen. Unter dem Präsidium von François Rappo, Lausanne, setzt sich die siebenköpfige Jury auch in diesem Jahr aus kompetenten Fachpersonen aus verschiedenen Disziplinen der Buchgestaltung zusammen. Die Jury beurteilt die Einsendungen hinsichtlich Konzeption, grafischer Gestaltung und Typografie, ferner nach ihrer technischen Beschaffenheit in der Qualität des Druckes und des Einbandes, der buchbinderischen Verarbeitung und den verwendeten Materialien. Ebenso berücksichtigt werden Originalität und Innovation.

 

Unabhängig von den zum Wettbewerb eingegebenen Büchern verlieh die Jury den Jan-Tschichold-Preis. Mit diesem Preis ergreift das EDI auch dieses Jahr die Möglichkeit, eine Persönlichkeit, eine Gruppe oder eine Institution für eine hervorragende Leistung im Bereich der Buchgestaltung auszuzeichnen. Der diesjährige Jan-Tschichold-Preis in der Höhe von 15’000 Franken geht an Elektrosmog (Valentin Hindermann und Marco Walser) in Zürich. Sie engagieren sich seit einigen Jahren im Bereich der Buchgestaltung und stellen mit aussergewöhnlichen Buchpro-jekten ihre eigenständige und souveräne grafische Sprache immer wieder von neuem unter Beweis. Ferner haben die Jurymitglieder ein ‹Buch der Jury› ausgewählt. Es handelt sich um den in der Edition Dino Simonett herausge-gebenen Fotobildband Louis Kahn Dhaka, Construction – Raymond Meier (20), der in beeindruckender Weise das Regierungsgebäude von Dhaka in Bangladesh inszeniert und porträtiert.

 

Besonders erfreulich ist, dass am diesjährigen internationalen Gestaltungswettbewerb ‹Schönste Bücher aus aller Welt› in Leipzig gleich drei Schweizer Beiträge einen Preis erhalten haben. Eine international besetzte Jury hatte bei 638 Büchern aus 31 Ländern die ‹Goldene Letter›, eine Goldmedaille, zwei Silbermedaillen, fünf Bronzemedaillen und fünf Ehrendiplome zu vergeben. Eine der Bronzemedaillen ging an den Buchtitel Vom Letten bis Rimini (32) und zeichnete damit ein in Typografie und Material fein gestaltetes Sachbuch über die Geschichte und Gegenwart der Zürcher See- und Flussbäder aus. An den in bemerkenswerter Frische gestalteten und in hervorragendem Druck produzierten Ausstellungs- und Künstlerkatalog Olafur Eliasson – Minding the World (25) wurde eines der fünf Ehrendiplome verliehen. Und zur Krönung erhielt mit Christian Waldvogel – Globus Cassus (16) ein unkonventioneller Ausstellungskatalog zu einer visionären Architektur der Erderweiterung die Goldmedaille. Das Buch überzeugte die internationale Jury durch die Materialwahl des Einbands, die Typografie, Farbigkeit und Bildwahl sowohl inhaltlich als auch gestalterisch.

 

Sie halten mit dem hier vorliegenden Katalog Die schönsten Schweizer Bücher 2004 ein aussergewöhnliches Produkt in den Händen, welches ohne die grosszügige Unterstützung der Drucker aller prämierten Bücher, der Buchbinderei Burkhardt, der Papierfirmen Arctic Paper Schweiz AG, Antalis AG, Inapa Schweiz AG, Sihl+Eika AG und Fischer Papier AG sowie der Druckerei Odermatt nicht hätte realisiert werden können.

 

Diese zur Ausstellungseröffnung erscheinende Publikation wurde in diesem Jahr zum ersten Mal von Laurent Benner (Reala) konzipiert und gestaltet. Das Gestaltungskonzept sieht vor, insbesondere Druck und Materialität der Bücher zu thematisieren und dadurch einige ganz spezifische Aspekte der Buchherstellung in den Vordergrund zu rücken und zu visualisieren. Zu diesem Zweck haben wir eng mit den Druckereien und Papierlieferanten zusammen- gearbeitet und konnten je acht (Original-)Seiten aus allen prämierten Büchern von den entsprechenden Druckereien aus der Schweiz, Deutschland, der Tschechischen Republik und dem Libanon zu dieser einzigartigen Publikation zusammentragen.

 

Wir schätzen uns sehr glücklich über das breite Interesse und die grosszügige Unterstützung, die uns von allen Seiten entgegen gebracht wurde, und wünschen auch Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, viel Spass bei der Lektüre.

Jan-Tschichold-Preis

Jan-Tschichold-Preis für Elektrosmog:
Valentin Hindermann und Marco Walser

 

Bereits während ihrer Ausbildungszeit (1994-1998) an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich (HGKZ) haben Valentin Hindermann (1966) und Marco Walser (1973) erste eigene Projekte im Bereich der grafischen Gestaltung realisiert. Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung gründeten sie ihr gemeinsames Atelier mit dem Namen Elektrosmog. Aufträge in den Bereichen Bildende Kunst und Design prägen ihre Arbeiten. Ein wichtiges Projekt in der Geschichte von Elektrosmog, bei dem die beiden Gestalter Erfahrungen mit Heftformaten machen konnten, bildete das Redesign des Kunstmagazins material des Migros Museums in Zürich. Jede der von Elektrosmog gestalteten drei Ausgaben dieser Publikation zur internationalen zeitgenössischen Kunst zeichnet sich durch eine innovative Verwendung des Bildmaterials aus; die Gestalter wagten Experimente im Bereich der Schrift, welche die mittlerweile leider eingestellte Zeitschrift zu einer Fundgrube kreativen Reichtums werden liessen.

 

Mit Argovian Sun, einem Buch, das dem Werk von Andreas Dobler gewidmet ist, präsentierte Elektrosmog 2002 erstmals ein Künstlerbuch. Patrick Frey, engagierter Verleger zahlreicher Kunstpublikationen, gab den Auftrag zu diesem Vorhaben. Argovian Sun, in dem Texte, Zeitungsausschnitte, Fotos und Bilder Doblers vereint sind, bot Elektrosmog die Gelegenheit, das reiche, inspirative Material aus Doblers Archiven einzubeziehen und gleichwertig zu behandeln wie die fertigen Tableaux des Künstlers. Ein Jahr später wurde das von Elektrosmog gestaltete Buch Supercritical Fluids, welches das bildnerische Werk des Malers Hanspeter Hofmann vorstellt, im Wettbewerb prämiert. Gleichzeitig wurde es mit dem Prädikat ausgezeichnet. In diesem zweiten Künstlerbuch ist es gelungen, trotz kleiner Bildformate das überaus reiche und subtile künstlerische Werk Hofmanns vorzustellen. Doblers und Hofmanns Oeuvres wurden beide im Kunsthaus Glarus ausgestellt, dessen grafischen Auftritt Elektrosmog seit mehreren Jahren trotz beschränkter finanzieller Mittel in überzeugender Weise in vielen Variationen betreut.

 

Im Rahmen eines Wettbewerbs konnte Elektrosmog der Designförderung des Bundesamtes für Kultur (BAK) zu einem neuen, variablen Konzept der Informationsvermittlung verhelfen: Elektrosmog entwickelte ein System von transparenten Plastikmappen, die je nach Fördergebiet farblich und textlich anders gestaltet und dennoch als Gesamtsystem erkennbar sind. Die durchsichtigen Mappen beinhalten die jeweils aktualisierten Reglemente und Wegleitungen, die auch von anderen Gestaltern grafisch betreut werden. Im Zuge der Zusammenarbeit mit dem BAK konnte Elektrosmog im Weiteren das gestalterische Konzept einer neu geschaffenen Publikation im Designbereich entwickeln und in drei aufeinander folgenden Jahren das Jahrbuch des realisieren. Zweimal hintereinander (2003 und 2004) wurde der Katalog beim Wettbewerb prämiert. Dreimal im selben Format gestaltet, galt es, den theoretischen und den Katalog-Teil nach unterschiedlichen Kriterien zu behandeln. Im Zentrum der Bände mit dem Titel Swiss Design stehen die von jungen Designerinnen und Designern entwickelten Produkte, denen jedes Mal mit anderen gestalterischen Mitteln und mit unterschiedlichen Fotokonzepten ein Auftritt ermöglicht wird.

 

Ebenfalls prämiert wurde das von Elektrosmog im Jahr 2004 gestaltete Buch zum zwanzigjährigen Jubiläum der renommierten Kunstzeitschrift Parkett. Die Geschichte und Bedeutung dieser wichtigen, internationalen Zeitschrift vermochten die beiden Gestalter aufwitzige und gleichzeitig informative Weise dicht zu gestalten. Elektrosmog gelingt es, auch ausserhalb des Bereichs der Buchgestaltung unterschiedliche grafische Spielformen in Einklang zu bringen. Die grafische Sprache von Elektrosmog ist für neue Lösungen stets offen. Die beiden Gestalter versuchen, Projekte dem gestellten Themenstoff entsprechend neu zu entwickeln, sich von Aufgabe zu Aufgabe neu auf ein Gebiet oder auf das Werk eines Künstlers einzulassen und einzustimmen.

 

Die Jury ehrt mit dem Jan-Tschichold-Preis ein Gestalterteam, das sich seit einigen Jahren mit diversen aussergewöhnlichen Buchprojekten bemerkbar gemacht hat. Elektrosmog zeichnet sich insbesondere durch eine äusserst vielseitige, undogmatische Sprache in der jeweiligen grafischen Realisierung aus.