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laufendes Jahr

Chandigarh Furniture

Chandigarh Furniture
© Photography: Lukas Wassmann, Zürich

Chandigarh Furniture
© Photography: Simon Schmid / NB, Bern

Chandigarh Furniture
© Photography: Simon Schmid / NB, Bern

Herausgeber:
Maximage - David Keshavjee, Andreas Koller, Zürich; Guy Meldem, Lausanne

Gestaltung:
David Keshavjee, Zürich; Guy Meldem, Lausanne

Druck:
MX Print, La Chaux-de-Fonds

Verlag:
Villette Edition, Lausanne

Die in Konzeption und Ausführung gleichermassen gelungene Eigenpublikation zeigt auf 28 Seiten je ein Foto eines stark abgenutzten ─ und manchmal auch improvisiert reparierten ─ Möbelstücks aus Chandigarh. Die meisten wurden von Le Corbusier entworfen, der die indische Planstadt in den 1950er-Jahren konzipiert hatte, doch bei einigen Möbeln scheint die Zuordnung fraglich. Dies verdeutlicht die Ironie, mit der hier das Vermächtnis modernistischer Wohn- und Lebensutopien zur Diskussion gestellt wird. Überscharf freigestellt, erscheinen die Möbel aus ihrem Kontext isoliert ─ sogar dann, wenn sie von davorstehenden Objekten teilweise verdeckt werden. Da Bildlegenden oder Erläuterungen fehlen, öffnet sich ein grosser Interpretationsspielraum: Kritisiert die Publikation den westlichen Markt für Secondhand-Designermöbel, der in Chandigarh eine billige Quelle findet? Oder profitiert die Publikation selbst von der paradoxen Geste, Armutsästhetik in einen zeitgenössischen Designkontext zu setzen? Auch die Materialität wirkt ambivalent: Einerseits besteht das Heft aus handgeschöpftem indischem Papier, andererseits erhalten die Möbel durch ein spezielles, in der Schweiz getätigtes Druckverfahren mit Lack neuen Glanz. Der ebenfalls in der Schweiz gedruckte und laminierte Umschlag wurde von einem Gestalter in Indien entworfen.