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laufendes Jahr

Armin Hofmann

© BAK / Melanie Hofmann

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Armin Hofmann
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Armin Hofmann
© BAK / Melanie Hofmann

Armin Hofmann, 1920

Grafikdesigner und Lehrer, Luzern

Die Schweizer Eidgenossenschaft ehrt mit Armin Hofmann eine der prägenden Figuren des Schweizer Grafikdesigns sowie einen Lehrer und Dozenten, der Generationen von Grafikdesignern und Lehrern in der Schweiz wie im Ausland nachhaltig beeinflusst hat.

Der Grafiker und Lehrer Armin Hofmann passt so schnell in keine Schublade – schon gar nicht in die Swiss-Style-Schublade, in die er fälschlicherweise oft gesteckt wird. 'Die Konkreten haben mich nie beeindruckt', sagte er vor zehn Jahren anlässlich einer Ausstellung seiner Plakatarbeiten im Zürcher Museum für Gestaltung gegenüber der Zeitschrift 'form'. Interessant ist, dass sein visuelles Vokabular durchaus Gemeinsamkeiten mit dem in den 1950er-Jahren von Max Bill, Richard Paul Lohse oder Josef Müller-Brockmann entwickelten Stil aufweist. Zum Beispiel die Vorliebe für serifenlose Schriften, das Entwerfen auf Grundlage eines Rasters, den Einsatz von Typografie als wesentliches Designelement oder die Präferenz für Fotografie anstelle von Zeichnungen und Illustrationen. Auch im radikalen Umgang mit Form und Farbe gibt es Parallelen.

Entscheidend für den Unterschied zu den Konkreten ist Armin Hofmanns Haltung: Er lehnt alles Dogmatische ab und setzt dem seine offene Art des Denkens und Gestaltens entgegen. Hofmann entwickelt sich und seine Arbeiten ständig weiter. Konträr zum Konzept der Konstruktiven, erlauben die meisten von Hofmanns Plakaten eine symbolische Lesart: zum Beispiel das Bild eines lachenden Clowns (für die Spielzeit 1960/61 am Basler Stadttheater) oder sein berühmtes Tell-Plakat von 1963, das auf jegliche Alpenromantik verzichtet und stattdessen einen Apfel in Schwarz-Weiss abbildet, auf dem in einer fremd wirkenden Typo 'Tell' geschrieben steht. Hofmanns Bild einer modernen Schweiz? Jeder seiner Entwürfe lotet die Möglichkeiten visueller Kommunikation neu aus und hinterfragt sie. Das gilt sowohl für zahlreiche Plakate, die er für kulturelle Institutionen in Basel wie das Gewerbemuseum, das Stadttheater oder die Kunsthalle entwickelt hat, als auch für seine Kunst-am-Bau-Projekte oder die Bild- und Wortmarke für die Expo 64.

Was er sich selbst abverlangte, mutete er auch der Öffentlichkeit zu: sich einem reflexiven, didaktischen Prozess zu stellen, anstatt blind auf Rezepte zu vertrauen. Dadurch nahm er den Rezipienten für voll und setzte ihm keine leichte, oberflächliche Kost vor. Mit seinen teilweise ungewöhnlich konstruierten Schriften riskierte Hofmann Irritationen. Ein markantes Beispiel hierfür ist sein Plakat für die Ausstellung 'die gute form' von 1954. Anstatt Produkte zu zeigen, entschied er sich dafür, Buchstabenformen als Designelemente zu verwenden – geometrisch präzis, aufeinander abgestimmt, aber dennoch abstrakt und unkonventionell, weil beschnitten und daher nicht unbedingt auf Anhieb lesbar. (Mit seiner häufig verwendeten Kombination von Schwarz und Weiss nahm er übrigens eine Anti-Haltung zum damals weit verbreiteten Kunterbunt ein. Der Effekt: Schwarz-Weiss fiel schneller ins Auge). Der Inhalt könnte kaum prägnanter auf den Punkt gebracht werden: das Plakat beziehungsweise dessen Typo und Komposition stellen das Thema der Ausstellung auf einer Metaebene selbst dar. Und noch etwas zeigt diese Arbeit beispielhaft: Ausgangspunkt für Hofmanns grafische Lösungen war immer der Inhalt, mit dem er sich so ausführlich beschäftigte, wie es in der heutigen durchgetakteten Zeit nicht mehr möglich wäre.

Seine didaktische Methode des Gestaltens und seine Unbefangenheit machten ihn zu einem perfekten Lehrer. Er beeinflusste Generationen von Studentinnen und Studenten in der Schweiz und im Ausland, vor allem in den USA, Grossbritannien und sogar in Indien. Hofmann gehörte zu den wenigen Dozenten, denen die Lehre genauso wichtig war wie die eigenen Projekte. Dass er keinen Unterschied machte, lag daran, dass er seine Lehrtätigkeit nicht als einseitig empfand. Sprich: nicht nur die Schüler lernten von ihm, sondern auch er war offen für deren Impulse. 'Gestalten heisst auch, sich seiner ethischen Verantwortung bewusst zu sein', lautete eine von Hofmanns Botschaften für den Nachwuchs. Je komplexer die Umwelt, desto reduzierter und klarer müsse das Design sein, fand Hofmann. Ein Aspekt, der heute wichtiger ist denn je und der zeigt, wie Armin Hofmanns Ansatz bis in die Gegenwart wirkt.

Katharina Altemeier