Claudia Caviezel

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© BAK / Gina Folly

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Claudia Caviezel für Atelier Pfister, Bivio, Kissen Design-Skizze, 2014 © Claudia Caviezel, St. Gallen ( Claudia Caviezel for Atelier Pfister)
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Claudia Caviezel für Atelier Pfister, Surava, Teppiche, 2013 © Atelier Pfister (Claudia Caviezel for Atelier Pfister)
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Claudia Caviezel, 150 years Japan-Switzerland, Druck auf Textil, 3 × 5 m, 2015 © Claudia Caviezel, St. Gallen ( courtesy Claudia Caviezel )
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Claudia Caviezel, 1977

Textildesignerin

Die Textildesignerin Claudia Caviezel zeichnet sich durch ihre Neugierde und ihren scharfen Blick für das Potential von alltäglichen Dingen aus. Nach ihrer Ausbildung an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Luzern arbeitete sie beim Haute-Couture-Textilhersteller Jakob Schlaepfer und entwickelte nebenbei verschiedenste weitere Projekte, die von Stoffen über Lampenschirme bis hin zu Teppichen und Wandbildern reichten. Bei all ihren Arbeiten pflegt Caviezel einen experimentellen und offenen Ansatz und kombiniert ihren einzigartigen Instinkt für Muster und Farben gekonnt mit ihrem hervorragenden Gespür für Materialien und ihrem technischen Know-how. Zurzeit ist sie als Leitung Textildesign und - entwicklung beim St. Galler Modeunternehmen Akris tätig.
Mit dem Schweizer Grand Prix Design 2016 würdigt die Eidgenossenschaft Caviezels Talent und tiefgreifenden Einfluss auf das zeitgenössische Schweizer Textildesign. Claudia Caviezel wurde 2003, 2007 und 2010 bereits mit einem Schweizer Designpreis ausgezeichnet.

Essay

Claudia Caviezels sprühendes Universum

Als ich im Jahr 2002 Claudia Caviezels Diplom tape it an der Textilklasse in Luzern sah, war ich augenblicklich davon angetan. Ihre mit Klebeband fixierten Kleider und Textilien oder ihre aus Tape geklebten Bodenbeläge und Vorhänge waren verstörend anders. Da wagte eine junge Frau, das zu tun, worauf sie Lust hatte und die Grenzen der Schweizer Designtradition ohne Scheu zu überschreiten. Claudia Caviezels Arbeit war weder traditionell verarbeitet noch reduziert in der Gestaltung, sondern alles andere als das, was man gemeinhin mit typisch schweizerischen Attributen verbindet. tape it war bunt, wild und unkonventionell. Die frisch diplomierte Designerin begründete in ihrer Abschlussarbeit eine Methode, die noch heute ihr Schaffen prägt : die Kettenreaktion. « Das Konzept für ein Projekt lege ich mir zuerst im Kopf zurecht. Wenn ich ein Gefühl dafür habe, wie es sein soll, dann lege ich los, probiere aus, entwickle eine Idee immer weiter und bin offen für Zufälle », erklärt die Designerin ihr Vor gehen. Claudia Caviezel verwendet und kombiniert Materialien und Techniken auf ungewohnte Weise und sie lässt sich vom Experiment und auch von der Musik, die sie beim Arbeiten hört, treiben. Überhaupt hat Musik im Leben der Designerin einen wichtigen Stellenwert. So kann man zwischen Claudia Caviezels Arbeitsweise und derjenigen zeitgenössischer Musikschaffender durchaus Analogien ziehen. Auch sie recyclet und sampelt Fundstücke aus ihrem Leben, nimmt diese auseinander, setzt sie neu zusammen und verfremdet diese, bis sie sich zu einem persönlichen und künstlerischen Werk wieder zusammenfügen.
Claudia Caviezels unkonventionelles und vor Ideen sprühendes Werk ist in der Schweizer Designlandschaft einzigartig. Sie hat mit dem Mischen von altem und neuem Handwerk, von ungewöhnlichen Materialien und Techniken, dem Einsatz von Farben und Strukturen ein ganz persönliches Oeuvre erschaffen. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie keine Berührungsängste zu Alltäglichem und Einfachem hat und sie gerade dieses Bekannte immer wieder neu interpretiert und in ihren Entwürfen anwendet. Auf diese intuitive und konzentrierte Arbeitsweise erarbeitet die Designerin überraschende Lösungen. Sich derart erfolgreich über Normen und Ideologien hinwegzusetzten wie es Claudia Caviezel tut, gelingt nur risikofreudigen Gestalterpersönlichkeiten. Das Spannungsfeld zwischen Design und Kunst, zwischen Serie und Unikat auszuloten, das Gegebene eben nicht als gegeben anzunehmen, das sind die treibenden Kräfte hinter Claudia Caviezels Werk.
Um Claudia Caviezels Arbeitsweise besser zu verstehen, hilft ein Blick auf zwei ihrer Projekte. Als Ausgangslage für ihr 5 x 8 Meter grosses Wandbild für die Westbund Art and Design Fair 2014 in Shanghai dienten der Gestalterin nicht mehr benutzte Kunststoffplatten, die mit Projekten von ihr bedruckt waren. Auf diesen mischte sie mit Spachtel und Rakel unzählige Farbverläufe. Darunter schimmerte da und dort ihre alte Arbeit durch. « Die Farbverläufe, die mir am besten gefallen haben, habe ich eingescannt, vergrössert, in der Farbe verändert und neu zusammengestellt », erklärt Claudia Caviezel. Auf den farbigen Hintergrund hat die Tüftlerin unzählige Blumen und Tiere platziert. Viele Motive stammen aus ihrem umfangreichen Archiv an Fotografien und Skizzen, die sie oft auf Reisen aufgenommen und gezeichnet hat. Das opulente Wandbild war Blickfang und Publikumsliebling der Westbund Art and Design Fair. Unzählige Chinesen liessen sich davor ablichten und Publikationen aus aller Welt druckten Claudia Caviezels Werk ab. Der Auftritt in Shanghai blieb weder in der Schweiz noch in der restlichen Welt unbemerkt. Es folgten Aufträge für weitere Wandarbeiten oder Innenarchitekturprojekte aus dem In- und Ausland.
In der Schweiz ist Claudia Caviezels Schaffen vielen Menschen über ihre Zusammenarbeit mit Atelier Pfister bekannt. Mit dem Möbelhersteller hat sie seit 2011 Kissen, Bettwäsche, Decken, Teppiche und ein Sofa realisiert. In Entwicklung ist zurzeit wieder ein Teppichprojekt der Gestalterin. Nach diversen geknüpften und geflochtenen Entwürfen hat sie sich einen getufteten Teppich vorgenommen. Begonnen hat sie dieses Mal mit einem Würfelpuzzle aus ihrer Kindheit. Jede Würfelseite hat eine andere Farbe oder zwei Farben, welche die Fläche diagonal in zwei Dreiecke unterteilen. Claudia Caviezel liess sich ein solches Würfelpuzzle in den Proportionen des Teppichs anfertigen. Sie legte Muster um Muster und hielt diese mit der Kamera fest. Am Computer entfernte sie die Schattenfugen zwischen den Würfeln und füllte die so entstandenen Flächen mit verschiedenen Farben und Strukturen. « Würde ich gleich am Computer mit einem Entwurf beginnen, käme ich nie auf solche Lösungen. Ich brauche den Transfer zwischen analog und digital, zwischen kleiner und grosser Dimension, zwischen Low- und High-Tech », erklärt die Gestalterin ihr Tun.
Seit ihrem Diplom vor bald 14 Jahren hat die Designerin ihre Arbeit in verschiedene Richtungen ausgeweitet und sich ihr eigenes Arbeitsumfeld erschaffen. Neben Stoffentwürfen und Produkten gehören auch immer mehr grossflächige Bilder und Interiorprojekte in Zusammenarbeit mit Architekten zu ihrem Oeuvre. Obwohl noch jung hat Claudia Caviezel gezeigt, wie viel sie in diesen Jahren bereits ausprobiert und erreicht hat. Als Fan der ersten Stunde bin ich gespannt, in welche Dimensionen Claudia Caviezel mit ihrer leidenschaftlichen und furchtlosen Art ihr sprühendes Universum weiter ausdehnen wird.
Ariana Pradal